Die Geschichte von Großburschla

Vorgeschichte

Das mittlere Werratal muss schon seit der Steinzeit besiedelt gewesen sein (Ende der Steinzeit, 2000 Jahre vor der Zeitrechnung). Beim Bau der Wasserleitung in Großburschla wurden 1926 Scherbenreste gefunden. Die Zeitung "Werrabote" berichtet, dass diese Scherben aus der Zeit der Schnurkeramik Ende der Steinzeit stammen. Beim Bau der Eisenbahn 1900 Treffurt - Eschwege wurden Steinhämmer und Steinwerkzeuge zu Tage getragen.

Im Jahre 1935 wurden bei Ausschachtungsarbeiten auf dem Heldrastein Tonscherben, ein Amboss-Stein und eine bronzene Spinnwirbel gefunden. Diese Funde stammen aus der Zeit 1000 Jahre v. d. Zeitrechnung. In der Gemeinde Falken entdeckte man 1920 Gräber aus der keltischen Zeit. Sechs bronzene Armringe, die aus der Zeit 500 v. d. Zeitrechnung datiert werden, wurden gefunden. In dieser Zeit muss unsere Gegend von Kelten (späterer Stamm der Chatten) besiedelt gewesen sein. Die Kelten errichteten auf dem Heldrastein eine Art Festung, sie nannte sie Heineburg. Gegenüber, auf der heute noch bekannten Adolfsburg bei Treffurt, wurde eine ähnliche Festung errichtet. Die Heineburg hat ihre kultische Bedeutung noch lange gehabt. Bis in die heutige Zeit kennen wir auf dem Heldrastein-Plateau den Wissen Platz. Darin steckt die altdeutsche Bezeichnung "hoch und erhaben". In alter Zeit fanden auf dem Heldrastein Volksversammlungen und Volksfeste statt. Bis ins 19. Jahrhundert feierten die Burschlaner Pfingsten auf dem Heldrastein. Ein alter Brauch war es, brennende Sonnenräder zu Tal zu lassen.

Das heutige Thüringen war vor 2000 Jahren vom germanischen Stamm der Hermuduren und Hessen von den Chatten besiedelt. Aus dem Tagebuch des römischen Geschichtsschreibers Cornelius Tacitus im Jahre 58 geht hervor, dass beide Stämme um die Salzquellen an der Werra in kriegerische Auseinandersetzung geraten. Tacitus schreibt: "Salzlüsterne Rauflust verheerte das Land."

Geschichtlich folgt dann die Zeit der großen Völkerwanderung der germanischen Stämme 375 - 568. Erst danach werden die Menschen sesshaft und Siedlungen werden gegründet. Die Franken unter Karl dem Großen drängen bis an Werra (in dieser Zeit Werhara) und Weser vor. Gleichzeitig wird der christliche Glaube mitverbreitet. An Werra und Weser wirkte vor allem Bonifacius. Karl der Große gründete in Eschwege einen Königshof. Bad Salzungen wird 775 als "des Reiches Salinenort" bezeichnet. Aus dieser Zeit stammen erste urkundliche Nachweise von Siedlungen im mittleren Werratal.

Erwähnung Großburschlas

Großburschla wird urkundlich im Jahre 860 als Bruslohon erwähnt. Der fränkische Gaugraf Erpho schenkt seine Güter in Bruslohon der Kirche zu Würzburg. (Bruslohon bedeutet Versammlungsort im Walde, am Wasser). Im Jahre 875 kommen die Besitzungen an das Kloster zu Fulda. Der Abt Werinhar von Fulda begann im Jahre 969 im damaligen Bruslohon mit dem Bau eines Klosters. Gleichzeitig ließ er eine prunkvolle Kirche errichten. Der Vorsteher des Klosters hieß Probst Thioto, zugleich Priester, Wissenschaftler und Lehrer. Weitere 19 Priestermönche und 18 Schüler waren im Kloster untergebracht.

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Stift St. - Bonifatii Großburschla Anno 1826

Im Jahre 1008, am 13. April vor Palmarium, fielen Kloster und Kirche einer Feuerbrunst zum Opfer. Das Hauptschiff der Kirche brannte völlig nieder, die heutige Kirche als Nebenschiff blieb erhalten. Da in dieser Zeit die Einwohner nach germanischer Sitte heimlich ihre Götter verehrten (Donardelle bei Rambach - heimliche Opferstätte) ist anzunehmen, dass sie das Feuer legten.

Im Jahre 1130 erschien Graf Heinrich (Sohn des Landgrafen von Thüringen Ludwig des Springers) mit starkem Truppenaufgebot. Er zerstörte das Kloster und den Ort. Die Einwohner wollten damals die Siedlung verlassen. Abt Heinrich von Fulda ließ aber die Benediktinerprobtei zu Borsela und den Ort neu aufbauen. Im 13. und 14. Jahrhundert gelangte das Geschlecht von Treffurt zu Macht und Reichtum. Ihr Sitz war der Normanstein. Sie waren wegen ihrer Streitlust im Werratal gefürchtet. 1329 besetzte Hermann der Ältere die Stiftskirche in Großburschla und hielt sie längere Zeit als Festung. Diese Handlung führte zu Auseinandersetzungen mit dem Abt von Fulda. Schließlich sahen sich die Landgrafen von Mainz, der Landgraf von Thüringen sowie der Kurfürst von Hessen zum Eingreifen genötigt. 1336 wird daraufhin die " Ganherrschaft" (gemeinsame Herrschaft) begründet.

Großburschla zerfällt somit in drei Ortsteile. Straßennahmen wie "Hessische Gasse" oder "Hessisches Ende" erinnern heute noch an diese Zeit. Die Ganherrschaft hält sich bis in die napoleonische Zeit. Das Benediktinerkloster wird im Jahre 1508 in das Stift Bonifacii umgewandelt. Die Stiftsherren waren meistens Söhne Adliger oder reicher Patrizier. Sie verwalteten das Stift und die dazu gehörenden Güter. Die Einwohner Großburschlas hatten keine Frondienste zu leisten. Sie waren auch keine Leibeigene, mussten aber dem Stift Zins zahlen.
So war am Bartholomäustag, 24.8. der Geldzins,
am Johannistag, 24.6. der Fleischzins,
am Urbanstag, 25.5. der Weinzins
und am Markgarethentag, 13. 7. aller Zins fällig, der gemandelt und geschockt ist.
(1 Schock 60 Stck., 1 Mandel 15 Stck.)
Am Martinstag Mitte November waren alle anderen Abgaben fällig.
Lohn für Arbeitsleistungen wurden von den Stiftsherren gering bezahlt.

So bekam der Stiftsförster Hans Hospach im Jahre 1572 als Jahreslohn 9 Gulden, 3 Pfandschillinge und 2 Paar Schuhe. An Holz bezog er 4 Klafter Scheite und 4 Schock Reisig. An Getreide 3 Malter Korn. Die Folge der Unterdrückung durch Adlige und kirchliche Herren waren die Bauernkriege im mitteldeutschen Raum. Am 13. Februar 1525 versammelten sich im Raum Treffurt 1000 aufständische Bauern. Sie plünderten und verwüsteten das Stiftsgut in Großburschla. Nach Niederschlagung der Bauernaufstände hatten die Einwohner Großburschlas je Haus 10 Gulden Strafgeld zu zahlen. Im Jahre 1563 gibt es in Großburschla erstmalig einen Schulmeister namens Bonifacius Hossbach. Hessen und Sachsen führen die Reformation auch in der Ganerbschaft Treffurt ein. Der hessische und sächsische Teil (Umgebung heutige Schule) werden evangelisch. Der kurmainzerische Teil des Dorfes (Umgebung Stift) bleibt katholisch. 1530 amtiert der erste Pfarrer Johannes Hoßbach in der Nikolaikirche. 1573 setzt der hessische Teil den Pfarrer Franz Dithmar ein.Sein Grabstein ist heute noch vor der Kirche erhalten. In jedem Ortsteil gab es zu dieser Zeit andere Münzen, Maße und Gewichte.

Der Dreißigjährige Krieg brachte wie überall in Deutschland viel Leid und Elend über die Bevölkerung. Die Bewohner des Ortes konnten ihr Leben meistens nur durch Flucht in die nahe liegenden Wälder retten. Nach dem Krieg waren Äcker und Wiesen verwüstet, die Bevölkerung hatte die Lasten des Krieges zu tragen. Nach dem westfälischen Frieden vom 24.10.1648 war die Ausübung des katholischen Glaubens in Großburschla verboten. 1650 wird das Kollegiatstift St. Bonifacii in Großburschla aufgehoben und nach Fulda verlegt. Alle Besitzungen werden für 10.500 Taler an den hessischen Leutnant Geyso verkauft. 1807-1813 gehört Großburschla zum Königreich Westfalen. Napoleon herrschte in dieser Zeit über große Gebiete Europas, zu seinen Eroberungszügen brauchte er immer neue Soldaten. 1812 fielen in Russland als westfälische Soldaten die Großburschlaner: Christoph Hildebrecht, Johannes Nikolaus Kliebisch und Johannes Jacob Hossbach. 1815 durch den Wiener Kongress fällt Großburschla Preußen zu. 1920 werden die Ländereien des Stiftsgutes durch die Gemeinden Großburschla, Altenburschla und Heldra aufgekauft.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg ging es den Bewohnern Großburschlas schlecht. Die Leute verdienten sich ihren Lebensunterhalt durch Hausweben. Um 1840 klapperten in Großburschla 50 Webstühle in den Häusern. Ein weiterer Erwerbszweig war der Handel mit Sand. Er wurde auf einem Bergplateau in Großburschla gewonnen und diente zum Ablöschen von Schriftstücken und Reinigen von Fußböden. Diesem Sandhandel verdanken die Großburschlaner ihren Spitznamen "Burschlaer Sandsäcke". Um die Jahrhundertwende stellten sich eine ganze Anzahl Einwohner von Großburschla beruflich um. Aufgrund günstiger klimatischer Bedingungen erzeugten sie gärtnerische Produkte. Ein schwungvoller Handel mit Obst, Knoblauch, Gewürzkräutern und Samen kam in Gang. Die Burschlaer Handelsleute waren mit ihrem Knoblauch auf fast allen Märkten Deutschlands anzutreffen.

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ehemalige Gaststätte "Zur Schenke"

Großburschla entwickelt sich in dieser Zeit sehr vorteilhaft:

1900 -1902 Bau der jetzigen Schule,
1903 Eisenbahnlinie Eisenach - Eschwege; Großburschla erhält Bahnhof,
1911 Abschluss der Separation (landwirtschaftliche Flurbereinigung, Flächenvergrößerung),
1912 Erste elektrische Leitungen,
1920 Bau einer neuen (der jetzigen) Werrabrücke,
1926 Bau der jetzigen Wasserleitung,
1927 Stiftsgutländereien verkauft.

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Einweihung der neuen Werrabrücke

Nachkriegszeitgeschichte

Die beiden Weltkriege forderten auch von Großburschla Tribute. Von 1914 -1918 fielen 69 Männer.
Nach dem verlorenen Krieg folgten Inflation, Weltwirtschaftskrise und hohe Arbeitslosigkeit. 1933 kommt Hitler an die Macht und beginnt 1939 den 2. Weltkrieg, der mit einer Katastrophe für Deutschland endete. Gefallen sind 144 Männer. In Großburschla war der 2. Weltkrieg am 3. April 1945 beendet. Um 11.30Uhr zogen amerikanische Soldaten ohne Gegenwehr in Großburschla ein. Alle waren froh, dass dieser verlustreiche und grausame Krieg beendet war. Die Werrabrücke in Großburschla war heil geblieben, der größte Teil der Werrabrücken war beim Rückzug gesprengt worden. Die amerikanische Armee zog tagelang durch unseren Ort, Tag und Nacht donnerten Panzer und Fahrzeuge von Weißenborn kommend durch die Straße zur Werrabrücke. Die amerikanische Besatzung dauerte 3 Monate, am 2. Juli 1945 zogen die Amerikaner ab. Durch das Potsdamer Abkommen war Thüringen der sowjetischen Besatzungszone zugefallen. Die sowjetischen Soldaten zogen einige Tage später in Großburschla ein. Sie quartierten anfangs im Försterhäuschen vor dem Heldrastein. Ein Offizier stellte sich als Kommandant vor und nahm sich Quartier bei August Gunderam am Auweg. Ab sofort war es notwendig, für alle Arbeiten im Feld beim Kommando der Russen einen Feldschein zu beantragen. Ohne dieses Dokument konnte niemand in die Flur. Diese Anmeldepraxis für Feldarbeiten war in Großburschla erst am 13. November 1989 zu Ende.
44 lange Jahre mussten die Bürger Großburschlas für alle Arbeiten im Wald oder Feld Genehmigung beantragen. Ausgenommen waren Flächen in Ortsnähe. Die Genehmigung wurde nicht allen Bürgern erteilt. Ob es Ähnliches in Deutschland schon einmal gegeben hat?
Da Großburschla rundum an hessisches Gebiet grenzt, musste die Versorgung mit Pferdegespannen durch Waldwege unter dem Heldrastein abgesichert werden. Augrund unserer extremen Lage waren schon 1945 Bestrebungen im Gange, Großburschla dem Kreis Eschwege anzugliedern. Wäre dieses gelungen, viele Tränen wären weniger geflossen. Im Sommer 1947 kamen eines Tages amerikanische und russische Offiziere von internationalen Quartier Kalkhof in Wanfried, um in Großburschla die Grenzschwierigkeiten zu lindern. Hier wurde für Großburschla die neutrale Straße geboren. Die Bürger von unseren hessischen Nachbargemeinden Weißenborn und Rambach konnten durch Großburschla zum Bahnhof gehen oder fahren. Andererseits konnten die Einwohner Großburschlas durch die hessische Nachbargemeinde Heldra, um nach Treffurt zum Bahnhof zu kommen. Über diese neutrale Straße sind viele Bürger unseres Ortes geflüchtet. Insgesamt haben ca. 600 Bürger aus unserem Dorf die Heimat verlassen und sich in Westdeutschland oder anderen Ländern eine neue Heimat gesucht.
Im Sommer 1945 wurden von den russischen Soldaten wiederholt Razzien durchgeführt. Das Dorf wurde umstellt, von Haus zu Haus wurden alle Männer von 16 bis 50 Jahren mitgenommen. Ein Teil dieser Leute wurde bis nach Dresden geschafft, sie bekamen eine Glatze geschoren und wurden als Kriegsgefangene entlassen. Die übrigen Leute waren schon in Mühlhausen nach Hause geschickt worden.
Am 7. Oktober 1949 erfolgte die Gründung der DDR. Damit war die Teilung Deutschlands perfekt. Großburschla bleibt beim Land Thüringen. 1952 wurde durch den Straßenbau unter dem Heldrastein eine Verbindung zur DDR geschaffen. Nach Fertigstellung dieser Straße wurden die neutralen Straßen abgeriegelt und unpassierbar durch Schlagbäume und Gräben gemacht. Nach 1945 hatte sich in Großburschla das kulturelle Leben wieder entwickelt. Junge Leute aus Weißenborn, Heldra, Altenburschla kamen zu Tanzveranstaltungen, nach dem Wegfall der neutralen Straße war es damit vorbei. Großburschla ging traurigen Zeiten entgegen. Im Mai - Juni 1952 wurde um Großburschla der so genannte10-m-Streifen gezogen. Alle landwirtschaftlichen Kulturen mussten von den Bauern eigenhändig umgepflügt werden. 1960/61 wurde die Grenzanlage noch durch Stacheldraht und Minen ausgebaut. Nach dem Mauerbau in Berlin wurde der 10-m-Streifen auf 100-m-Breite erweitert. Wälder wurden abgeholzt, die Grenze von Jahr zu Jahr unüberwindlicher, Stahlgitterzäune und Selbstschussanlagen eingebaut. 1979/80 wurden an der Grenze zu Heldra und Altenburschla Sperrwerke über die Werra gelegt, der Fluchtweg durch die Werra war damit unterbunden. Material und Kosten dieser Grenzsicherung spielten keine Rolle - für vernünftig denkende Menschen fast unerklärlich.

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Grenzanlagen Anfang 1952

Durch die hermetische Abriegelung der Grenze waren alle Verbindungen und Beziehungen zu unseren hessischen Nachbarn unterbrochen. Durch Funk und Fernsehen konnten sich die Menschen über die Entwicklung in Westdeutschland informieren. Anfang der 60-er Jahre baute man bei den Bürgern Großburschlas die westlichen Fernsehkanäle aus. Die Leute sollten sich nur über das Programm der DDR Informationen ansehen, außerdem kam hinzu, dass viele Leute bespitzelt wurden, Telefone wurden abgehört. Unter den Fenstern der Einwohner wurde gelauscht. Traurig ist die Tatsache, dass sich dafür viele Leute hergaben, ihre Mitmenschen zu bespitzeln und obendrein noch Judaslohn dafür zu empfangen. Das Leben im 500-m-Sperr-gebiet gestaltete sich von Jahr zu Jahr schwieriger, wer seine eigenen Kinder ins Elternhaus haben wollte, musste 4-6 Wochen vorher einen Passierscheineinreichen und auf Genehmigung warten. Verwandte aus Westdeutschland konnten nur bei Sterbefällen 1. Grades nach Großburschla einreisen Die Einreisegenehmigungen nach Großburschla wurden teilweise auch willkürlich erteilt. Wer beispielsweise Jugendweihe feierte, bekam alle Einreiseanträge genehmigt, wer dagegen seine Kinder konfirmieren ließ, hatte mit Ablehnungen zu rechnen. In der Schule sollten alle Kinder von der Notwendigkeit und Richtigkeit der Jugendweihe überzeugt werden.
Bei der Grenzöffnung im November 1989 kritisierten viele westliche Nachbarn, die Großburschla von früher her kannten, den schlechten Zustand des Ortes. Diese Kritik ist voll berechtigt. An dieser Stelle soll aber erwähnt werden, dass durch Auswanderung vieler Einwohner deren Grundstücke und Gebäude herrenlos wurden. Die geringen Mieteinkünfte reichten nicht aus, um die baulichen Anlagen zu erhalten. Außerdem hatten viele Bürger aufgrund der erwähnten Zustände kaum noch Mut im 500-m-Sperrgebiet etwas zu unternehmen, niemand wusste wie es weitergeht. Die Einwohnerzahl Großburschlas verringerte sich, junge Leute suchten auswärts ihr Glück, die Beschränkungen im 500-m-Sperrgebiet wollten sie nicht auf sich nehmen. Das dunkelste Kapitel unserer Nachkriegs-Dorfgeschichte ist wohl die Zwangsaussiedlung, die im Spätsommer 1961 unter dem Decknamen "Kornblume" in unserem Ort begann. Fünf Familien waren die ersten Opfer. Sie wurden in anderen Gemeinden des Bezirkes Erfurt untergebracht. Betroffen waren Georg Schreiber, Gotthilf Höfler, Gertrud Mollin, Alfred Krüger und Werner Wandt.1974 wurden einige Jugendliche mit 1/2 Jahren Gefängnis bestraft - nur aufgrund der Äußerung nach dem Westen zu wollen. Weiterhin wurden ausgesiedelt:
Dieter Koch 1976 nach Eisenach, Dieter Lange 1977 nach Eisenach, Horst Kanzler 1977 nach Bad Tennstedt, Wilfried Germerodt 1981 nach Ebeleben, Günther Roser 1982 nach Sömmerda, Horst Gernhardt 1982 nach Apolda, Gerda Nicolai 1982 nach Gotha, Fritz Müller 1982 nach Spiegelberg (Neubrandenburg), Kurt Steinwachs 1987 nach Apolda, Klaus Germerodt 1985 nach Gotha.
Heute stellt sich heraus, dass alle Betroffenen von den örtlichen Organen und der allmächtigen Sicherheitskommission für untragbar im Sperrgebiet erklärt und ihre Aussiedelung verlangt und gefordert wurde.
Zum Abschluss sollen noch einige Anmerkungen über die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes gemacht werden. Nach dem 2. Weltkrieg war in Großburschla kaum Industrie ansässig. Die Bandweberei war im Krieg von der Firma Fiesler für Flugzeugersatzteile genutzt worden. Einige Frauen fanden in der Zigarrenfabrik Arbeit. Ende der 50er Jahre entwickelten sich kleinere Industriebetriebe. Walter Ruhlandt Polstermöbel, Stuhlfabrik, Esda Strumpfwarenfabrik. Im Jahre 1960 mit der Kollektivierung der Landwirtschaft wurden in Großburschla eine landwirtschaftliche und eine gärtnerische Produktionsgenossenschaft teilweise unter gewissem Druck gegründet, beide Genossenschaften vereinigten sich 1975 zur GPG. Die Betriebe entwickelten sich gut, einige hundert Menschen hatten in diesen Betrieben annehmbare Arbeitsplätze am Ort. Die Verdienstmöglichkeiten waren den Verhältnissen entsprechend gut. Nach der Wiedervereinigung bestand nur noch die Firma Walter Ruhlandt. Die gärtnerische Produktion wird in zwei Betriebsteilen privat bewirtschaftet. Die Landwirtschaft ist ebenfalls privatisiert.

(Quelle: Festschrift zum 125 jährigen Jubiläum des Männergesangvereins 1868 Großburschla)

 

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